#Transgender - Wie viel darf man den Menschen zumuten die man liebt?
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Was sagt meine Oma über meine geplante geschlechtliche Angleichung zum Mann?
Sie ist extra her gefahren um mit mir in Ruhe über diese Situation und den Prozess den ich mir wünsche zu sprechen. Zu dieser Gelegenheit, brachte sie mir dieses Buch als Geschenk mit. Ich finde das eine unglaublich tolle und liebevolle Geste von ihr und für mich zeigt sie deutlich, dass sie zu mir steht und sich damit auseinander setzt.
Es berührt mich, wie offen diese bald 75 jährige Frau mit mir und diesem Thema umgeht und empfinde dies als grosses Geschenk.
Sie stellt mir viele Fragen, warum ich erst jetzt darüber spreche, ob sie mir früher hätte helfen können, würde ich dann als Mann auf Frauen oder Männer stehen. Was ist mit Kinder kriegen und und und. Wir reden lange und offen und ich merke, sie versucht wirklich, mich zu verstehen.
Dennoch sehe ich in ihren Augen diese Traurigkeit. Sie sieht mich an, streicht mir über die Wange und voller Schmerz fragt sie: »Kann ich dich dann immer noch Rachel nennen?«
Meine Familie versucht mich bei diesem Weg zu unterstütze und niemand verletzt mich oder macht mir Vorwürfe für das was ich empfinde. Dennoch merke ich, wie schwer ich ihnen das Leben damit mache.
Nicht nur ich gehe diesen Prozess, sie werden ihn auch gehen müssen. Was ist, wenn meine Mutter plötzlich zwei Söhne hat. Wie soll sie das den Menschen in ihrem Umfeld erklären?
Ich sehen den Tag herbei an dem ich mich im Spiegel von Rachel verabschieden darf. Ich kann es kaum erwarten, Testosteron zu bekommen um zu beobachten, wie mein Körper immer mehr zu dem wird, was ich mir mein Leben lang schon für mich wünsche. Doch meine Familie wird eine Tochter, Schwester, Cousine und Enkelin verlieren.
Für mich steht mein Gewinn dadurch klar im Vordergrund und wenn ich davon erzähle, von den Veränderungen, fangen meine Augen an zu leuchten.
Ich frage mich unweigerlich, wie kann ich für sie da sein, wie kann ich ihnen diesen Prozess erleichtern.
Es tut mir leid, dass ich ihnen diese Bürde aufzwinge, wenn ich den Weg für mich gehe. Ich erkenne ihren Schmerz und kann nur erahnen, wie schwierig es für sie werden wird. Für mich ist die Erkenntnis, das ich eine äußere Angleichung machen kann, eine riesige Erleichterung, für sie eine Belastung.
Und doch weiß ich, ich muss es tun und kann ihnen den Prozess nicht abnehmen. Stellt euch vor, wie viel schwieriger das alles wäre, hätte ich Kinder. Würde ich den Weg wählen wenn ich Mutter wäre ? Ich habe ehrlich gesagt keine Ahnung. Wie viel darf man den Menschen zumuten, die man liebt?
Ich bin unendlich dankbar das meine Familie und meine Freunde mich so toll unterstützen und mit mir gemeinsam diesen Weg gehen wollen.
Das Buch besteht aus einer Art Aneinanderreihung von Erinnerungen. Abwechselnd kommen Szenen aus der Kindheit von Niklaus Flütsch, aka Bettina Flütsch und aus der Phase der Angleichung.
Ich lese das Buch und erkenne in so unglaublich vielen Sätzen mich selber wieder. Was er beschreibt, danach sehne ich mich so sehr. Er spricht mir direkt aus der Seele, denn genau diese Gefühle belasten mich schon mein ganzes Leben lang.
Ich Frage mich, wer werde ich heute in einem Jahr sein?
Wie wird es meiner Familie damit gehen und den Menschen, die mich lieben. Ich weiß ich werde es erleben und tief in mir spür ich die Gewissheit, es wird gut werden.
Nicht einfach, sicher nicht, für niemanden von uns.
Im Text ist eigentlich alles gesagt ... was soll ich da noch zufügen? Habe mich mit sowas nie beschäftigt und kenne es nicht. Wenn Du das willst, ist es das Richtige.
Wenn jemand der sich noch nie damit befasst hat, sich ein paar Gedanken macht, ist mir das viel wert. Wenn dir jemals jemand Betroffenes begegnet, wirst du an mich denken und vielleicht besser verstehen. Zumindest ist das ein Teil von dem, was ich mir wünsche-
Man macht sich im Allgemeinen keine Gedanken über Sachen, die einen nicht betreffen oder von denen man meint, dass sie einen nicht betreffen. Ist, glaube ich, auch in Ordnung so. Man kann sowas von außen nicht nachvollziehen. Das Wichtigste dürfte sowieso sein, dass Du das tust, was Du als richtig für Dich empfindest. Ist DEIN Leben! Jedenfalls wünsche ich Dir auf dem Weg alles Gute! Wenn Deine Familie Dich da begleitet, ist das super und das, wofür eine Familie da sein sollte. Sie werden Dich genauso lieben wie immer. Sie sind, wenn Sie dich lieben, ohnehin in erster Linie dabei, Dich zu unterstützen und nicht sich Gedanken darum zu machen, was die Nachbarn denken. Scheiß drauf :-)
Hallo Rachel,
du bist ein Glückspilz, von so einer Familie können viele wohl nur träumen! In unserem Bekanntenkreis befinden sich einige Transsexuelle, die leider gar nicht bis mäßig von ihrer Familie unterstützt werden.
Bei ihnen war ein großer Schritt für sie der neue Name. Ohne den schon offiziell geändert zu haben, fingen sie damit allerdings bereits im Internet, Freundes- und Bekanntenkreis an.
Vielleicht wäre dieser Schritt auch hilfreich für dich. Denn solche Umstellung erfordert bei den Menschen aus deinem näheren Umfeld viel Zeit. Sie müssen sich dann erstmal daran gewöhnen, es wird ihnen aber auch klar, dass du gar nicht Rachel bist, sondern der Mann, der du einfach bist.
Dies hat natürlich mit dir als Menschen nichts zu tun, sondern mit deinem Geschlecht.
Da du ja schon vor 10 Jahren deine Therapie begonnen hast, hast du sicherlich schon längst einen männlichen Namen.
Wir möchten dich ebenfalls gerne auf deinem Weg unterstützen und würden dich gerne bei diesem Schritt begleiten.
Wie dürfen wir dich in Zukunft ansprechen?
Liebe Grüße und viel Kraft
Serene Check 😉
Ja das ist absolut war, ich habe wunderbare Menschen in meinem Leben.
Die grösste Stütze auf dem Prozess dahin, war aber meine Wahl-Familie. Menschen die mich lieben wie ich bin und für mich da sind, egal ob blutsverwandt oder nicht.
Ich bin noch nicht bereit, in den neuen Namen zu schlüpfen.
Mir ist bewusst das es vielen hilft aber ich weiss, ich werde wissen wann der richtige Zeitpunkt ist. Ich lasse es euch wissen, wenn ich in den Spiegel schaue und mich als Mann darin erkennen kann.
Ihr unterstützt mich durch solche tollen Kommentare :) Das gibt mir sehr viel, der Support den ich hier erfahre und das ich vielleicht für andere das Vorbild sein kann, das andere mir waren.
Das ist sehr toll zu lesen, das deine Familie hinter dir steht.
Dein offene Art und das du deine Gefühle und Emotionen so gut erklären kannst ist glaube ich ein riesen Vorteil den du mitbringst.
Es ist so mutig so offen zu sprechen und so schön zu sehen das du dir so klar bist. Ein echtes Vorbild wie ich finde. :)
Danke das du ins daran teilhaben lässt. :)
Ja denk ich auch, ich sag ihnen auch direkt was ich fühle und sie kennen mich ja damit, ich war schonmal von 4-12 so :) Und danach unglücklich.
Danke für deine lieben Worte.
Klingt als hättest du dich bereits entschieden, eine OP vorzunehmen.
Wenn du es selber zahlst, kannst du mit deinem Körper machen was du willst.
Ich finde es aber nicht OK, wenn der Steuerzahler dafür aufkommt, wie bei Bradley/ Chelsea Manning
Vor fünf Tagen hatte Chelsea Manning aus Protest gegen ihre Haftumstände aufgehört zu essen. Nun sagte ihr das US-Militär eine OP zur Geschlechtsumwandlung zu.
http://www.zeit.de/gesellschaft/zeitgeschehen/2016-09/chelsea-manning-hungerstreik-geschlechtsumwandlung-operation-wikileaks-informantin
Hm öm, naja.
Es gibt verschiedenste Ops die man machen kann oder nicht, und eine davon werde ich sicher machen lassen ja. Wenn jemand Harzt4 kriegt zahlt auch der Steuerzahler, ist jemand Depressiv, ebenfalls etc.
Das Leid hinter dem Problem kann sehr sehr gross sein und Menschen sogar in den Selbstmord treiben.
Ich find, man sollte da immer vorsichtig sein mit dem Urteil über Meschen und Umstäde, die man gar nicht kennt.
Ich bezahl das natürlich aus eigener Tasche weil ich es kann. Aber es gibt genug Menschen denen geht es so dreckig, dass sie es nicht können weil sie durch ihr Leid nicht arbeitsfähig sind, es nach der Op aber werden.
ich denke dieser schritt zeigt dir auch wer dich mehr liebt als sich selbst. deine grossmutter weis wohl am besten wie schwer es für sie werden kann, doch ihr ist es aus liebe zu dir wert!
Ja, zu sehen das mein Umfeld so hinter mir steht, ist grossartig!
Das sich niemand deswegen abwenden sondern alle sagen, wir mögen dich für dein Inneres, nicht dein Äusseres, zeigt mir auch das ich wertvoll bin als Mensch und was für tolle Menschen ich in meinem Leben habe.
Ich weiß nicht, wie es sich anfühlt, im falschen Körper zu stecken. Aber ich bin überzeugt, dass es für Betroffene hilfreich und wichtig ist, zu sehen, dass es auch Anderen so geht. Zu sehen, dass man nicht alleine ist. und auch, die Erfahrungen von Menschen zu lesen, die auf ihrem Weg bereits weiter sind, als man selbst. Darüber zu lesen, was auf einen zukommen könnte und eine Ahnung zu bekommen, was einen erwartet.
Es braucht bestimmt Mut, darüber zu schreiben, aber ich überzeugt, dass es Anderen hilft. Hut ab vor deiner Stärke.
Das ist genau der Grund, warum ich damit raus geh.
Ohne Menschen die damit an die Öffentlichkeit gegangen wären und vorleben was möglich ist, hätte ich niemals den Mut gefunden. Als Teenager dachte ich, ich sei quasi Kaputt, ein Freak, ein Monster und niemand sonst sei so kaputt wie ich. Zu wissen das meine Gefühle einfach ein Teil des Spektrums der Natur sind und ich nicht alleine bin damit, hilft mir unglaublich. Und Wenn jemand meine Worte liest und mehr Mitgefühl hat, mehr Toleranz, sein Kind besser versteht oder sich selber erkennt, dann lohnt es sich tausendfach für mich.
Ausserdem hilft es mir, dazu zu stehen und zu reflektieren.
Heyhey Rachel, schönen guten Abend.
Ich möchte gerne meine Ansicht teilen. Die Qualen müssen unvorstellbar sein, die dich zu so einer Entscheidung treiben , um ein solch einschneiden Prozesse und Operationen auf sich zu nehmen. Das anfreunden und ansprechen eines solchen Gedanken muss so fremd sein, am anfang, das die Annahme, ein entsprechender Freundentanz auslösen muss. Ich bin jedoch etwas befangen. Ein ehemaliger guter Freund von mir hat sich einer solchen Prozedur unterzogen - Eins vorweggenommen, wir haben kein Kontakt mehr - Wir haben viel darüber gesprochen, wie er sich vorher gefühlt hat, was er als "un"echt empfindet und was nicht und wie es ihm heute geht. Die Euphorie ist gigantisch und er empfindet es als, eine Wahre erleichterung.
Ich musste daraus meine Konsequensen ziehen. All die Zeiten die wir verbracht haben, all die Abendteuer, all die Gespräche, alles war nur eine Maske. Ich war sehr betroffen, da es Ihm wirklich schlecht ging, was er mir erzählte. Doch was bleibt von der Freundschaft, die auf Unwahrheit aufgebaut war, was bleibt von einem Menschen, der eine neue Identität annimmt? War er jemals mein Freund!? Ist er es noch und will sich selbst vllt Geißeln für etwas? Ich muss ehrlich sagen, wenn ich daran denke, was für ein Schmerz das ist, kommen mir die Tränen in die Augen. Was ist wenn dieser Weg, ein weg ist, der Unwahr ist?
Ich habe Angst um meinen Freund!
Was ist, wenn es...
Bitte seh es nicht als afraid, viel mehr als Bestätigung zu einer Entscheidung.
ganz lieben Gruß
Ich kann nicht für deinen Freund sprechen, daher weiss ich nicht, wie er fühlen mag oder nicht.
Für mich kann ich nur sagen, das jede Beziehung, jede Liebe absolut echt ist.
Es stimmt, ich empfinde meine Weiblichkeit als Belastung, als unecht und als etwas, womit ich nur bruchstückhaft mein wahres Selbst zeigen kann. Aber jede Beziehung die ich eingehe ist wahrhaftig und echt. Ich lehne meinen weiblich wirkenden Körper ab aber nicht mein Herz.
Meine Seele, mein Innerstes und meine Liebe sind absolut echt. Ich habe so viel zu geben für so viele Menschen und ich möchte keinen Moment mit ihnen missen.
Warum du all die Gespräche etc. als falsch empfindest, kann ich nicht verstehen, vielleicht magst du das näher erläutern?
Ich denke und hoffe, meine Familie und Freunde wissen, das meine Beziehungen zu ihnen immer echt waren und jedes Gespräch von Herzen auch so gemeint wurde von mir. Warum sprichst du nicht genau darüber mit der Person die es trifft?
Ich denke du solltest diese Gefühle und Ängste mit ihm teilen.
Ich empfinde keines meiner Gefühle als unecht, nur meine Hülle spiegelt nicht wieder, wie ich mich innerlich erlebe. Ich kann in diesem Körper nicht wirklich meine Seele erkennen, in meinem Gesicht nicht meine Kraft. Das ist nicht dasselbe wie unechte Freundschaften oder gar Liebe.
Du hast eine fantastische Oma. Du wirst ihnen den Schmerz und die Umgewöhnung nicht nehmen können, aber ich glaube, allein, dass du so offen mit diesem Thema umgehst und je öfter ihr darüber redet, desto 'leichter' kann es werden.
Und es ist ja trotz allem ein schleichender Prozess, der nicht von eben auf jetzt passiert. Ich denke, dass erleichtert vieles. Oder wie siehst du das?
Ja hoffe ich auch, wobei der Prozess doch relativ schnell geht, wenn man ihn auf die Lebenszeit davor und danach bezieht. Ich denke, nach ein paar Jahren wirds sein, als wärs nie anders gewesen :)
Wie schön, liebe Rachel, dass du so eine offene Oma hast: Die ist doch nun spätestens der Beweis, dass es, wann immer wir von Liebe, aber auch nur echter Zuneigung sprechen, auf das Innere, den Kern einer Person ankommt. Also den Menschen!
Den Menschen, der noch viel glücklicher sein wird, wenn er das, was ihn so lange gequält hat, in Angriff nimmt (im wahrsten Sinn des Wortes 😉) und körperlich so sein wird, wie er fühlt.
Du bist so liebenswert, Rachel! Und deine Oma wusste das vermutlich schon viel eher als du...
LG, Chriddi
P.S.: Danke, dass du gestern noch ein paar Leute mitgebracht hast! ☺️
P.S.: Auf dem iPad wird "Rachel" dauernd zu "Raschel" - überlege dir bitte einen etwas eindeutigeren Namen... 😂
Danke.
Ja es ist wirklich ein Geschenk, dass ich so offen mit meiner Familie reden kann. Wie viele Betroffene leiden am meisten genau darunter, dass sie nicht respektiert werden?
HEHEHE, ich bemühe mich, aber Raschel is au nicht schlimm, @schlees z.B hat sich für räitscheeeeel entschieden :D Ich bin tolerant :D
Gebt euch die Zeit die es braucht....
Ich kann nur meine persönliche Empfindung wiedergeben und für mich ist das äussere eine Hülle weit wichtiger ist der Kern.
Aus diesem entspringt alles Leben und Sein.
Ich kenne dich nicht persönlich dennoch kommt bei mir dein guter Kern rüber.
Für mich ist das Äussere allein schon naturgemäß einer Wandlung unterworfen und mir selbst ist das äußere Erscheinungsbild völlig schnuppe,wichtiger ist der Mensch.
Liebe Grüße Marion
Danke.
Ja das stimmt. Oft frage ich mich, kann diese Hülle wirklich so wichtig für mein eigenes Glücksgefühl sein ? Anderen fehlt ein Arm oder sie haben schwierige Entstellungen. Ich habe einen gesunden Körper, sollte das nicht reichen?
Wie andere aussehen entscheidet für ich auch nicht, ob ich jemanden mag oder nicht. Aber es sagt doch etwas über den Menschen aus, der darin wohnt. Ein Mensch der vollkommen in sich ruht und damit maximal wirken kann in der Welt, der ist auch in seinem Körper angekommen.
Sexualität ist Identität. Ein Arm, der fehlt, eine Entstellung mag an dem Selbstwertgefühl "kratzen", aber macht nicht die Identität aus.
Meine Schwester hatte ihr Coming out, da war sie so 16/17. Für meine Mutter brach eine Welt zusammen. Sie fragte mich, ich bin 4 Jahre älter als meine Schwester, ob sie etwas verkehrt gemacht hätte. Ich, knappe 20 Jahre alt, durfte meiner Mutter dann meine Weltansicht mitteilen. Meine Schwester ist, trotz Vorliebe für Frauen, der gleiche Mensch.
Heute ist das kein Thema mehr. Im Gegenteil, meine Mutter kann sich nicht an solche Selbstzweifel mehr erinnern......
Ja stimmt, es ist schon sicher ein Unterschied ob etwas deine Identität betrifft oder nicht. Schön das es heute für deine Familie kein Thema mehr ist, mit wem deine Schwester eine intime Beziehung eingehen möchte.
Dafür gibt es andere Kanten bei uns. Aber jede Familie hat so seine Macken...